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  Internationale Kommission 
für salesianische Studien

Franz Reisinger
(1889-1973)
Oblate des hl. Franz von Sales, Gründer des Franz Sales Verlages und des Säkularinstituts des hl. Franz von Sales

Todestag: 23. Januar

P. Dr. Franz ReisingerDass vor allem durch das Glaubenszeugnis, also das Bekenntnis zur Wahrheit Jesu Christi, die Kirche zum Sauerteig für die Menschen und damit zum Zeichen unseres Heils wird, das ist ein Wesenszug unseres Christseins. Solche Zeugen für die Wahrheit gab und gibt es immer wieder, und wir alle, die wir nach Heiligkeit streben sollen, sind genauso zu diesem Zeugnis gerufen.
Andere Christen können uns dabei hilfreiche Vorbilder sein. Oft genug haben sie im Verborgenen gewirkt, erregten kein Aufsehen – eben aus dem Bewusstsein heraus, dass sie ja nur den Willen Gottes getan haben.
Eine solche Persönlichkeit war P. Franz Reisinger, der am 23. Januar 1973 verstorben ist. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine Arbeit als Verlagsleiter und Redaktor. Der gebürtige Wiener – Jahrgang 1889 – gehörte dem Orden der Oblaten des hl. Franz von Sales an. Verdient gemacht hat er sich vor allem durch die Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung der Werke des Heiligen – insbesondere der „Philothea“. Diesen Klassiker christlicher Frömmigkeitsliteratur hat er im ordenseigenen Franz-Sales-Verlag, dessen Begründer er war, herausgegeben.
Doch P. Reisinger war nicht nur ein hochqualifizierter Wissenschaftler, er war genauso einer, der aus einem unerschütterlichen Glauben lebte. Es verwundert nicht, dass sein Lieblingswort das Bekenntnis des Völkerapostels Paulus war: „Ich vermag alles in dem, der mich stärkt.“
Franz Reisinger als Neupriester 1912Und P. Reisinger hat tatsächlich aus dem tiefen Glauben an den, von dem er sich getragen wusste, unerhört viel vermocht. Während der Nazizeit und im Zweiten Weltkrieg war er Provinzoberer der Österreichisch-Süddeutschen Ordensprovinz und hatte die Aufgabe, in diesen schweren Jahren seiner Gemeinschaft Stütze zu geben und Mut zu machen. Nicht von ungefähr hatte er den Ruf eines „Fährmanns“ weg, der in den Wirren der Zeit das ständig vom Sturm geschüttelte Schiff seiner Gemeinschaft lenkte.
Und Stürme gab es wahrlich genug: Die Oblaten betreuten etwa in Wien die ausländischen Zwangsarbeiter, und diese Seelsorge war in der Nazizeit lebensgefährlich. Doch die Ordensmänner liessen sich nicht in ihrem Tun beirren. Einer von ihnen, P. Josef Zeininger, wurde wegen seines Engagements zum Tode verurteilt und entging nur durch ein Wunder der Exekution durch die Nationalsozialisten. Unmittelbar bevor er in Berlin hingerichtet werden sollte, war der Krieg und mit ihm das Naziregime zu Ende. Und auch P. Reisinger selbst wurde, weil er sich französischer Arbeiter annahm, immer wieder von der Gestapo vorgeladen.
Obendrein war der Provinzial mit den Nöten, die der Zweite Weltkrieg für die Ordensleute mit sich brachte, konfrontiert. Viele der jungen Mitbrüder mussten an die Front, und Reisinger setzte alles daran, ihnen Mut zu machen. Das war nicht ungefährlich. Der Provinzobere verfasste Rundbriefe an die Soldaten, und an der Front galt das Briefgeheimnis wenig. Mancher Parteifunktionär bekam die Schreiben in die Hand, in den P. Reisinger deutlichen Bekennermut zeigte. „Wer ist dieser P. Reisinger, der sich erlaubt, diesen Franz von Sales als einzigen  Führer zu nennen?“ bekam den auch einer der jungen Ordensleute im Kriegseinsatz von einem Feldpolizisten zu hören.
Trotz dieser Gefahren hörte P. Reisinger nicht auf, von Christus und dem Patron seines Ordens zu sprechen. Was ihn trieb, war die Liebe zu den Mitbrüdern in Not, die er mit der Glaubensbotschaft stärken wollte. Ihm lag der Satz des heiligen Paulus am Herzen: „Die Liebe Christi drängt uns.“ Darum scheute er keine Gefahren.
P. Reisinger kurz vor seinem TodMut gemacht hat P. Reisinger in den schwierigen Jahren des Zweiten Weltkriegs nicht nur seinen Mitbrüdern, auch in der Seelsorge ging es ihm immer darum, die Menschen zu stärken. So war er in Wien, wo er als Provinzial lebte, vielen Frauen auf der Suche nach Orientierung hilfreicher Begleiter. Er traf sich mit ihnen und ermutigte sie im Glauben. Aus diesen Runden entstand später das „Säkularinstitut des hl. Franz von Sales“, in dem sich die Frauen auf die drei Ordensgelübde „Keuschheit“, „Gehorsam“ und „Armut“ verpflichten. Die Sales-Schwestern leben dabei nicht im Kloster, sondern sind „in der Welt“ beruflich tätig, sollen aber dafür um so mehr innerlich miteinander verbunden sein. P. Reisinger wusste aus seinen Erfahrungen mit den bedrängten Menschen in der Nazizeit nur zu genau, wie wichtig eine ermutigende und tragende Gemeinschaft ist. Er selbst war – genauso wie in seiner Ordensgemeinschaft – im Säkularinstitut zeit seines Lebens ein vertrauensvoller Fährmann, der Orientierung gab.
Am 23. Januar 1973 – nur einen Tag vor dem Festtag des heiligen Franz von Sales – ist P. Franz Reisinger gestorben. Sein unerschrockenes und aufrichtiges Bekenntnis wird seinen Tod überdauern.

Literatur:
Franz Wehrl, "Ich vermag alles in dem, der mich stärkt". P. Dr. Franz Reisinger - Leben und Sendung, Eichstätt (Franz Sales Verlag) 1989


Raymund Fobes

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