|
Seliger
Papst Johannes XXIII. -
(1881-1963)
Gedenktag:
3. Juni
Als
der Patriarch von Venedig Angelo Roncalli am 28. Oktober 1958 zum Papst
gewählt wurde, kannte ihn fast niemand. Als er jedoch am 3. Juni 1963 als
Papst Johannes XXIII. starb, da weinte die Welt. Johannes
XXIII., der für viele nur als Übergangspapst galt, sollte neue Akzente
in der Kirche setzen: durch seinen unkonventionellen Lebensstil wie auch
durch die Einberufung eines Konzils, das sich einer geistlichen Erneuerung
angesichts der Fragen des 20. Jahrhunderts widmen sollte. Am 3. September
2000 wurde Johannes XXIII. selig gesprochen. Damit wird der Papst künftig
ganz offiziell als das gelten, was er für viele schon längst ist: als
ein bemerkenswertes Vorbild im christlichen Glauben. Doch auch Johannes
hatte seine Vorbilder – einer, den er besonders schätzte, war Franz von
Sales. Als junger Priesteramtskandidat hat er sogar einmal geschrieben:
"Wenn ich so sein könnte wie Franz von Sales, dann würde es mir
nichts ausmachen, wenn sie mich eines Tages zum Papst wählen würden."
Damit hat Roncalli Ernst gemacht. Sein Pontifikat war ganz und gar
salesianisch geprägt.
Als im Jahr 1961 das Generalkapitel der Oblaten des hl. Franz von Sales in
Rom tagte, da kamen die Kapitulare auch mit Johannes XXIII. zusammen. Der
Papst fragte nach dem Selbstverständnis der Oblaten. Unterschiedliche
Aufgabenbereiche wurden genannt – aber Johannes schien das nicht
besonders zu interessieren. Bis einer sagte: "Wir versuchen dem
heiligen Franz von Sales in unserem Leben und unserem Handeln
nachzufolgen." Da huschte ein Lächeln über das Gesicht des Papstes
und er erwiderte: "Das ist gut, das ist sehr gut."
Diese Episode macht deutlich, wie nah der Papst dem heiligen Franz von
Sales stand. Am 29. Januar 1903 – damals das Fest des Heiligen –
schrieb er in sein "Geistliches Tagebuch": "Mein Leben, so
sagt mir der Herr, soll ein vollkommenes Abbild des Lebens des heiligen
Franz von Sales sein, wenn es einiges Gute hervorbringen soll. Nichts Außergewöhnliches
soll in mir, in meinem Betragen sein, abgesehen von der Art und Weise, die
gewöhnlichen Dinge zu tun. … Große brennende Liebe zu Jesus Christus
und seiner Kirche, unwandelbare Heiterkeit des Gemüts, unsägliche
Sanftmut gegenüber dem Nächsten, das ist alles."
Sanftmut
dem Nächsten gegenüber
Tatsächlich entdeckt man in der Person des Roncalli-Papstes unverkennbar
salesianische Züge. Zum einen waren sie beide – Franz von Sales wie
Angelo Roncalli – beispielhaft in der Praxis der Nächstenliebe.
"Ich bin Josef, euer Bruder" hat der Papst bei einer seiner
ersten Audienzen gesagt, und mit dieser Mentalität ging er auf alle zu
– einerlei, welcher Weltanschauung sie zugehörten. So sprach er mit
Jackie Kennedy, der Königin von England und – mit dem Schwiegersohn des
russischen Staatschefs Nikita Chruschtschow. Im Zeitalter des Kalten
Krieges verhandelte Papst Johannes mit beiden Blöcken – und hat dabei
mit dazu beigetragen, dass es 1962 nicht zum Dritten Weltkrieg gekommen
ist. Als damals die Sowjets in Kuba Raketen stationiert hatten, hat Präsident
Kennedy nicht nur der Sowjetunion den Krieg angedroht, sondern auch Papst
Johannes um Vermittlung gebeten. Der verfasste sogleich eine
Friedensbotschaft, um sie im italienischen Fernsehen zu verlesen und
schickte sie Chruschtschow zu. Der sowjetische Staatschef zeigte sich
beeindruckt – und Stunden später war die Kubakrise bewältigt.
Trotz seiner Offenheit gegenüber den kommunistischen Denkern lehnte Papst
Johannes jedoch das Weltbild des atheistischen Kommunismus rundweg ab.
Auch dahinter steckt eine salesianische Grundhaltung: Franz von Sales
hielt sich immer an den Grundsatz: "Deutlich in der Sache, aber
liebevoll im Umgang – mit anderen Worten: die eigene Meinung vertreten,
aber mit dem, der anders denkt, freundschaftlich das Gespräch
suchen."
Tiefe
Liebe zu Gott
Papst Johannes schöpfte diese Kraft zur Liebe wie Franz von Sales aus
seiner tiefen Gottesbeziehung. Den Verlauf des Konzils legte der Papst in
die Hände Gottes. Immer wieder betete er um ein gutes Gelingen und um den
göttlichen Beistand für sich und die Konzilsväter.
Eine besondere Liebe hatte der Papst zur Gottesmutter – auch das
erinnert an Franz von Sales, der als junger Student im Gespräch mit der
Gottesmutter erkannte, dass er nicht von Gott verdammt war. Johannes
XXIII. wallfahrtete gern nach Loreto, das letzte Mal als Papst vor der Eröffnung
des Zweiten Vatikanums, um die Synode der Fürsprache der Gottesmutter
anzuvertrauen.
Eine innige Beziehung hatte Johannes XXIII. auch zum Bußsakrament. Wie er
in seinem "Geistlichen Tagebuch" offenbarte, ging er wöchentlich
zur Beichte und lebte so – wie auch Franz von Sales – aus der Umarmung
des vergebenden Vaters.
Ein
blühender Garten
Aus seiner Spiritualität heraus drängte es den Papst zur Erneuerung der
Kirche. Wie ein Garten voll blühender und bunter Blumen sollte sie
erscheinen, sagte der Papst gern.
Da fühlt man sich unwillkürlich an einen Satz von Franz von Sales
erinnert. Der Heilige schreibt im Theotimus: "Jeder hat seine eigene
Gnade, der eine so, der andere so … Weil die Kirche einem Garten
vergleichbar ist, geschmückt mit der Lieblichkeit unzähliger Blumen, die
sich alle in Größe, Farbe, Duft und Schönheit voneinander
unterscheiden; doch hat jede ihre Kostbarkeit, ihre Anmut, ihre
Farbenpracht." (DASal 3, 117)
ALLE tragen zur Schönheit der Kirche bei – das ist die Botschaft dieses
salesianischen Textes. Und das war auch typisch für Johannes XXIII. Denn
nach seiner Meinung war jeder zur Heiligkeit in dieser Kirche berufen, ob
er nun den Bischofsstab trägt oder einen Kehrbesen. So machte der Papst
deutlich, dass alle für die Kirche wichtig waren, doch gleichzeitig riet
er ganz salesianisch dazu, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.
Einem Priester gab er einmal die Empfehlung auf den Weg: "Bleiben Sie
bescheiden." Der verstand das sehr gut, denn auch er verehrte Franz
von Sales. Es war Albino Luciani, der spätere Papst Johannes Paul I.
Raymund Fobes

|