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Marie
de Sales Chappuis
(1793-1875)
Ordensfrau,
Gründerin der Oblaten des hl. Franz von Sales
Todestag: 7.
Oktober
Am
16. Juni 1793 kommt Thérèse Chappuis in Soyhières (Schweizer Jura) zur
Welt. Sie ist das siebte von elf Kindern. Die Zeit ist gekennzeichnet von
politischen Unruhen, die von der französischen Revolution ausgehen.
Mit 14 Jahren kommt sie in das Pensionat der Heimsuchung nach Fribourg, wo
ihre ältere Schwester bereits Ordensfrau ist. Nach Beendigung der
Schulzeit kehrt Thérèse nach Soyhières zurück und unterstützt ihre
Eltern.
Ihr erster Versuch, Ordensschwester in der Heimsuchung in Fribourg zu
werden, scheitert am Heimweh und an der Sehnsucht nach ihrer Familie. Im
November 1814 versucht sie es erneut und diesmal für immer. Ihre
Einkleidung findet am 4. Juni 1815 statt; sie bekommt den Ordensnamen:
Marie-Françoise de Sales. Der hl. Franz von Sales wird zeit ihres Lebens
eine besondere Rolle spielen. Im Noviziatsjahr vertieft sie sich in die
Lehre und den Geist ihrer Ordensgründer Franz von Sales und Johanna
Franziska von Chantal. Schon in dieser Zeit erlebt sie außergewöhnliche
Visionen, in denen Gott ihr zu verstehen gibt, was er mit ihr vorhat.
Am
9. Juni 1816 legt Schwester Marie de Sales ihre Gelübde ab. Ein Jahr nach
ihrer Profess wird sie mit zwei anderen Schwestern nach Metz geschickt, um
das dortige Kloster, das während der Revolution geschlossen worden war,
wieder zu errichten. Schwester Marie de Sales wird jedoch bald schwer
krank und muss im Oktober 1819 nach Fribourg zurück. Man vertraut ihr
dort das Noviziat an. Hier zeigt sich bald ihr geistliches Wachsen und
ihre vielseitige Begabung.
Das Jahr 1826 gibt ihrem Leben eine neue Richtung. Die Heimsuchung von
Troyes erbittet sie als Oberin. Nach einigem Zögern stimmt Fribourg
schließlich zu. Schwester Marie de Sales kommt am 1. Juni 1826 in Troyes
an. Sie ist 33 Jahre alt. Sogleich beginnt sie, das Kloster innerlich und
äußerlich zu erneuern, und hat damit, trotz mancher Schwierigkeiten,
Erfolg.
1838 wird die „Gute Mutter“, wie sie mittlerweile in Troyes genannt
wird, in das zweite Kloster der Heimsuchung in Paris, Rue de Vaugirard,
als Oberin gerufen. Sie übt dort einen genauso segensreichen Einfluss aus
wie in Troyes. Nach sechs Jahren in Paris wird Mutter Marie de Sales 1844
nach Troyes zurückgerufen. Zu
dieser Zeit blüht das Pensionat, und die Gute Mutter übt dort einen großen
Einfluss aus. Ihre Besuche erleben die Schülerinnen als wahres Fest. In
diesen Jahren wurden jene Frauen geprägt, die vom salesianischen Geist
durchdrungen sind, die sich als vorbildliche Christinnen in der Welt oder
im Kloster erwiesen. Eine davon ist die Heilige Leonie Aviat, die Gründerin
der Oblatinnen des hl. Franz von Sales. Die Anfänge dieser Kongregation
wurden von der Mutter Marie de Sales Chappuis tatkräftig unterstützt.
Sie war die erste Ausbildungsleiterin dieser Gemeinschaft.
Die Gründung der Oblaten des hl. Franz von Sales
Bei
ihrer Rückkehr aus Paris im Jahre 1844 findet die Gute Mutter Abbé Louis
Brisson als Spiritual des Klosters vor. Sie sieht nun den Zeitpunkt der
Verwirklichung ihres „Werkes“ gekommen, von dem sie schon seit ihrem
Noviziat überzeugt ist: die Gründung eines Männerordens im Geist des
hl. Franz von Sales. Sie beginnt dem jungen Beichtvater zu eröffnen, was
Gott tun will, um seine barmherzige Liebe gegenüber den Menschen
kundzutun, und Gott wähle ihn, um sein Vorhaben zu verwirklichen. Der
sachliche Geist des jungen Priesters, der einen Horror vor außergewöhnlichen
Stimmen empfindet, bäumt sich jedoch auf. Sie gibt allerdings nicht nach.
Doch die Mühen scheinen vergeblich zu sein, der Abbé wehrt sich weiter,
obwohl er außergewöhnliche Zeichen des Willen Gottes erhalten hat: Er
will seine Freiheit nicht durch eine Frau in Ketten legen lassen! Erst
eine Erscheinung Jesu selbst macht ihn bereit, dem Ruf zu entsprechen. Es
ist der 24. Februar 1845. Von diesem Augenblick an erwähnt Mutter Marie
de Sales ihr Werk bei ihrem Beichtvater nicht mehr. Mit einem unerschütterlichen
Vertrauen wartet sie auf die Stunde Gottes.
Viele Jahre vergehen ohne sichtbaren Fortschritt. Die Gute Mutter ist
schon 75 Jahre alt und nichts lässt erahnen, wann und wie sich die Verheißungen
des Heilandes erfüllen würden. Aber ihr Vertrauen lässt nicht nach.
1868 kommt Monseigneur Mermillod, Bischof von
Genf, nach Troyes. Bei dieser Gelegenheit trifft er den Bischof von Troyes,
Monseigneur Ravinet. Er teilt ihm seinen Wunsch mit, dass er es gerne
sehen würde, wenn eine Gemeinschaft von Ordensmännern gegründet würde,
die den Geist und die Lehre des hl. Franz von Sales verbreiten. Gemeinsam
gehen sie zur Guten Mutter, um mit ihr über dieses Projekt zu sprechen.
Sie versteht, dass sie am Ziel ihres ganzen Lebens anzukommen scheint und
dass die göttliche Verheißungen sich erfüllen.
Im
Dezember des Jahres 1868 ruft Monseigneur Ravinet Abbé Brisson zu sich
ins Bischofshaus. Es gilt einen Mann zu finden, der fähig ist, die
„Institution Saint-Etienne“, die einzige katholische Schule der Diözese
zu retten, da diese Gefahr läuft, aus finanziellen Gründen geschlossen
zu werden. Der Bischof bittet den Spiritual der Heimsuchung, dieses
schwierige Vorhaben an die Hand zu nehmen. Abbé Brisson willigt ein, geht
aber sofort zur Guten Mutter, die darin das lang ersehnte Zeichen erkennt,
dass die Verheißungen Gottes verwirklicht werden. Sie ermutigt Abbé
Brisson lebhaft, sich der Sache anzunehmen. Die Oblaten des hl. Franz von
Sales sind praktisch gegründet.
Der Auftrag von Mutter Marie de Sales auf Erden ist erfüllt. Ihre
Priester – die Oblaten des hl. Franz von Sales – sind gegründet und
werden 1875 päpstlich anerkannt. Im selben Jahr ändert
sich auch ihr Gesundheitszustand und sie muss ab August, am Ende ihrer Kräfte,
das Bett hüten. – Es beginnt ein langer Weg zum Kalvarienberg, den sie
mit Geduld und heroischem Mut geht. Ihre
lieben Oblaten sind wesentlicher Teil der Gedanken und Gebete in diesen
letzten Tagen ihres Lebens. Sie ermutigt P. Brisson und sagt zu ihm: „Ganz
gleich was geschieht, wenn Sie alles in sich zusammenstürzen sehen, wenn
alles verloren erscheinen wird, bleiben sie entschlossen; seien Sie
gewiss, dass es der Wille Gottes ist, dass die Oblaten existieren, dass
sie errichtet werden. Er wird sich ihrer bedienen, um Großes im gesamten
Universum hervorzubringen ... Ich hätte gerne die Wirkungen dieses Werkes
gesehen, aber was ich mehr schätze, ist der göttliche Wille.“
Nachdem sie den Schwestern
versprochen hat, sie niemals zu verlassen und immer Mutter dieses Klosters
zu bleiben, legt Mutter Marie de Sales am 7. Oktober 1875 ihre schöne
Seele friedlich in Gottes Hand. Sie ist 82 Jahre alt geworden.
Im Ruf der Heiligkeit
Acht Jahre nach dem Tod der Guten Mutter, 1883, eröffnet der Bischof von
Basel, in dessen Diözese Soyhières liegt, den diözesanen Prozess über
das Leben und die Tugendhaftigkeit der Dienerin Gottes im Hinblick auf
ihre Seligsprechung. Die Diözesen von Troyes, Paris und Fribourg tun bald
dasselbe. Die Sammlung aller Prozessakten wird 1887 nach Rom gebracht.
In Rom beginnt am 27. Juli 1887 der
Seligsprechungsprozess und die einzelnen Schritte dazu werden in den
Jahren 1888 bis 1900 gemacht. Die Öffnung des Sarges der Dienerin Gottes
findet am 17. Mai 1901 statt: ihr Körper ist unversehrt. Bei dieser
Gelegenheit wird sie innerhalb der Klausur unter den Fußboden eines
kleinen Oratoriums, das „Jesus dem Erlöser“ geweiht ist, umgebettet.
Literatur:
Die "Gute Mutter" Marie de Sales Chappuis. Das vollkommene
Vertrauen in Gott, hg. von den Oblaten des hl. Franz von Sales, Schweizer
Kommunität, Eichstätt, Franz
Sales Verlag, 2002.

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